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Offener Leserbrief // Stellungnahme AG zum nicht erhaltenen Brief des Bürgermeisters...

.. und dem Schweigen der Bezirksstadträtin.


Sehr geehrter Herr Loy,

wie es der Zufall wollte, tagte gestern Abend quasi direkt nach Erscheinen Ihres Newsletters im Tagesspiegel die AG “Leitung Alte Schule Retten”. (...)

Wir hatten auch in der vergangenen Woche bei der Kulturausschusssitzung (KAS) der BVV am 12.08. Rederecht zur Angelegenheit auf Einladung der Vorsitzenden, Irina Vogt (SPD). 

Auf der KAS wurde der Antrag der Grünen, Linken und CDU auf Offenlegung der Vorgänge um die Galerie Alte Schule verhandelt und nahezu einstimmig angenommen. Dieser Antrag war im Juni für die BVV formuliert worden und wurde auf der BVV am 18. Juni (in Anwesenheit von Bezirksstadträtin Cornelia Flader) vor der Sommerpause an die nächste KAS am 12. August verwiesen.

Weder Frau Flader als Bezirksstadträtin noch Frau Indetzki (Mitarbeiterin) waren jedoch auf der KAS am 12.08. anwesend, was die Mitglieder der KAS sehr verstimmte.

Ihren Bericht im gestrigen Newsletter möchten wir unbedingt folgendermaßen kommentieren, da Sie in ganz vielen Punkten leider nicht ausreichend informiert sind:

- Sie schreiben, dass “die Künstler einen Brief von Oliver Igel erhalten haben”. Wir haben bis heute keinen Antwortbrief von Herrn Oliver Igel auf unseren zweiten Brief bekommen. Wir warten seit dem 10.07. (also seit 5 Wochen) auf Antwort. (...)

- Sie fragen in Ihrem Artikel die rhetorische Frage, ob die Stellenbesetzungs- und Umwidmungspläne für die Galerieleitung nicht gut klängen. Das verneinen wir entschieden!

- Sie schreiben, dass der Interimsraum der Alten Schule im Rathaus Johannisthal im EG untergebracht sei. Auf der Kulturausschusssitzung wurde auf Nachfrage der Verordneten ein Brief von Oliver Igel an die Sprecher der Vereinigung Kommunaler Galerien Berlins (KGB), Frau Karin Scheel und Herrn Stéphane Bauer durch Herrn Priesmeyer, Referent der Bezirksstadträtin Flader verlesen. Darin hieß es, dass der nur 150 qm große Interimsraum im UG (das ist das Kellergeschoss) des ehemaligen Ratskellers im Rathauses Johannisthal, angesiedelt werden solle. Dieser Brief, laut Angabe von Herrn Priesmeyer vom 10.08., der in der Sitzung am 12.08. verlesen wurde, war am 13.08. immer noch nicht bei Herrn Bauer angekommen, wie dieser auf Nachfrage bestätigte.

- In dem Brief enthaltene und nur mündlich vorgetragene Informationen waren für sämtliche Mitglieder des Kulturausschusses sowie für uns komplett neu. Nach unserem Statement, dem Redebeitrag der Künstler*innen kam es zur Unterbrechung der Sitzung: Wir hatten darauf aufmerksam gemacht in welcher undemokratischen Weise hier mit Entscheidungen, die den Kulturausschuss betreffen, mittels “bröckchenweiser Information”, Schiebung, Streichung und Nicht-Besetzung von Planstellen verfahren wird. Daraufhin wurde eine Sondersitzung des KAS zum Thema Alte Schule in Anwesenheit der politisch Verantwortlichen beschlossen sowie das Einbestellen eines Gespräches durch die KAS Vorsitzende Irina Vogt mit Herrn BzBm Oliver Igel, Frau BStRin Flader, Vertreter*innen der Fraktion aus der KAS und uns Künstler*innen der AG.

- Sie schreiben, dass Oliver Igel eine neue Führungskraft für den Galeriebetrieb ab Frühjahr 2021 einstellen will. Es gibt aber die Planstelle für die Galerieleitung (aktuell noch besetzt von der scheidenden Leiterin der Galerie Nora Pijorr), die bereits im Herbst 2019 neu hätte ausgeschrieben werden müssen! Uns wurde im Mai 2020 von Frau Indetzki geschrieben, dass diese Planstelle der Galerieleitung auf Beschluss des Bezirksamtskollegiums zu Ende 2020 gestrichen werde, wenn Nora Pijorr, die bisherige Leiterin, in Rente geht.

- Somit ist klar: unser Protest richtete sich anfänglich gegen die im Mai verkündigte Streichung der Planstelle Galerieleitung. Dies scheint nun durch die Taktiererei des Herrn BzbM Igel und dem Schweigen der Bezirksstadträtin Frau Flader ins Leere zu laufen. Dieser Meinung sind wir allerdings nicht! Denn hier wird durch unser bisheriges Engagement und das Veröffentlichen der Vorgänge als Reaktion im Rathaus weiter und bedauerlicherweise weiter intransparent taktiert.

- So heißt es in Ihrem Artikel (und auch in dem Brief von Igel an Scheel und Bauer, der in der KAS am 12.08. verlesen wurde) die Planstelle werde 2023 wieder besetzt. Sie wird jetzt also über 2 Jahre nicht besetzt!

Diese so wichtige Posten der Galerieleitung wird jetzt durch eine andere, minder dotierte Stelle besetzt! Warum? Wir fragen uns, werden hier demokratisch legitimierte Gelder für Kultur des Bezirks verschoben?

- Sie schreiben, wie schon gesagt, dass nun die Planstelle der Leitung der Artothek (die deutlich niedriger dotiert ist) für eine neue Interims-Besetzung der Stelle vorgesehen sei.

Die komplexen und langfristigen Aufgaben und Planungen einer Galerieleitung sind mit einer solch minder bezahlten Stelle und sei es nur temporär nicht zu leisten. Auch ein/e zusätzlich eingestellte Volontär/in des Kulturamtes muss angeleitet werden - sie ist keine Fachkraft.

So ist eine kontinuierliche Arbeit der Galerieleitung über die gefährliche Durststrecke eines Interimsraums am Rande des Randbezirks nicht zu gewährleisten. Es müssen bereits jetzt inhaltliche und organisatorische Weichen für die Galeriearbeit ab 2023 gestellt werden. Wir sehen, dass hier BzBm Herr Igel (SPD) und die Bezirksstadträtin Frau Flader (CDU) sich auf Kosten einer professionellen Führung der wichtigen und einzigen Kultureinrichtung für bildende Kunst in politischen Ränken um Posten und Ersparnisse ineinander verkeilt haben.

- Sie schreiben, dass “neben der Zentrale in der Alten Schule „weitere Standorte für die Präsentation von Ausstellungen erschlossen werden“. Zur Finanzierung dieser zusätzlichen Standorte (die wir langfristig begrüßen würden) werden keine Angaben gemacht. Diese zusätzlichen Räume erfordern auch zusätzliche kuratorische und inhaltliche Leitung. Wie soll dieser Mehraufwand mit einer minder dotierten Interims-Stelle erbracht werden? Die Formulierung “weitere Standorte für Präsentationen von Ausstellungen” verweist eher auf Flurwände in VHS, Musikschulen oder Verwaltungsgebäuden, denn auf adäquate Orte für eine professionelle Galeriearbeit. Der Blick in andere Bezirke (Marzahn-Hellersdorf, Friedrichshain-Kreuzberg) zeigt, dass professionelle Zusatzräume so nicht aussehen können - es braucht professionelle Ausstellungsräume.

- Sie schreiben: “Im Kulturbereich gebe es schon zu viele Leitungsstellen, daran habe es hausintern Kritik gegeben, wurde kolportiert.” Vor 20 Jahren hatte der Bezirk noch 4 kommunale Galerien und über 60 Stellen im Kulturbereich. Jetzt sind noch eine einzige Galerie, eine Galerieleitung und neun Mitarbeiter*innen für den gesamten Kulturbereich übriggeblieben. Seit der Bezirksfusion wurden stetig Räume und Stellen abgebaut. Wenn jetzt der letzte Raum ohne adäquat ausgestattete Leitung auskommen soll und so weiter degradiert wird, dann findet hier keine nachhaltige Kulturarbeit für die Bürger*innen und Künstler*innen des Bezirks mehr statt. Das ist eine Bankrotterklärung für eine demokratische Zivilgesellschaft im größten Bezirk der Kulturhauptstadt Berlin.

Die Öffentlichkeit wird bedauerlicherweise mit Ihrem mangelhaft recherchierten Artikel nicht aufgeklärt. Die Schreiben von Igel an Karin Scheel und Stéphane Bauer (Vereinigung Kommunaler Galerien Berlins) und an uns (das bisher nicht bei den Adressaten eingegangen ist) umgehen ebenso die demokratischen Gremien; die Verantwortlichen stellen sich nicht zu ihren Entscheidungen! 

Wir fühlen uns weder informiert, noch können wir uns auf die vagen Versprechungen aus dem Rathaus Köpenick verlassen. Wir erwarten die Sondersitzung des KAS und das Gespräch mit Oliver Igel, Cornelia Flader und den Fraktionsmitgliedern und hoffen, wie auch die Mitglieder der KAS/BVV endlich auf Transparenz bei diesen Vorgängen im Kulturamt.

Wir stehen nach wie vor bei Rückfragen sehr gerne zur Verfügung.

Herzliche Grüße 

AG Leitung Alte Schule Retten!

Stefka Ammon, Dorit Bearach, Liz Crossley, Sebastian Körbs, Gudrun Kühne


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Wir sind die Arbeitsgemeinschaft der Bürger*innen und der Künstler*innen für die Kommunale Galerie Alte Schule Treptow-Köpenick.

 

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