Suche
  • sam - fürs Team

Interview mit Bezirksstadträtin Cornelia Flader

Kultur wird kaputtgespart? Stadträtin Flader widerspricht.

Interview: Thomas Loy



„Das muss zurückgenommen werden, ohne Wenn und Aber“, fordern die freien Künstler aus dem Bezirk. Gemeint ist die Streichung der Leitungsstelle der Kommunalen Galerie in Adlershof. Sogar eine Internetseite haben die Künstler zu dieser Forderung eingerichtet. Sie befürchten einen weiteren Auszehrungsprozess der Kultur im Bezirk. Darüber habe ich mit der verantwortlichen Stadträtin, Cornelia Flader (CDU). gesprochen.


Kultur wird kaputtgespart, sagen die freien Künstler. Vor der Bezirksfusion 2001 gab es drei kommunale Galerien, jetzt gibt es noch eine, die demnächst ins feuchte Souterrain des Rathauses Johannisthal ziehen soll. Warum wird Kunst und Kultur im Bezirk so gering geschätzt? 


Da ist eine Fehlinterpretation im Gange. Richtig ist: Kunst und Kultur sind keine Pflichtaufgaben, aber gerade in Coronazeiten merken wir, dass den Menschen Kunst und Kultur fehlen. Ich war letzten Samstag im Theater Adlershof zur Spielzeiteröffnung und habe festgestellt, dass es richtig wohltat, wieder Kultur und Kunst zu erleben. Dass wir die Alte Schule sanieren, ist ein Glückstreffer. Das bedeutet natürlich, dass man Einschränkungen hat. Die sind aber temporär. Wenn die Schule saniert ist, wird sie ganz toll sein.

Ein Kultur-, Kunst- und Kiezzentrum, vollständig und denkmalgerecht saniert. Das ist ja eine Aufwertung auch der kommunalen Galerie. Jetzt gibt es dort ziemlich alte verwohnte Räume und Flure. Dass wir einen Interimsstandort gefunden haben – das war nicht einfach – ist auch ein Glücksmoment. Sonst hätten wir die Galerie komplett schließen müssen. Das Souterrain des Rathauses wird komplett hergerichtet. Und ist im Übrigen nicht feucht und muffig. Ich kann nicht erkennen, dass die Kunst an den Rand gedrängt wird. Als ich meinen Job vor vier Jahren antrat, hatte der Bereich Weiterbildung und Kultur ein ganz hohes Defizit. Wir waren gezwungen, einen Konsolidierungsplan aufzulegen. Den haben wir dann strikt verfolgt und kreative Lösungen gefunden.


Ein Sparplan also… 

Nicht unbedingt. Manche Dinge sollten effizienter gestaltet werden. Wir haben beispielsweise das Archiv, das wir in der Gedenkstätte Köpenicker Blutwoche hatten, ins Museum nach Köpenick verlegt. Damit haben wir viel längere Öffnungszeiten, und dafür wurden wir auch belohnt, denn an den Öffnungszeiten bemisst sich das Budget, das wir vom Senat für die Kulturarbeit erhalten. 2019 haben wir mit einem Überschuss von fast 800.000 Euro abgeschlossen. Selbst das Defizit der Musikschule war weg. Daher können wir uns im Bereich Weiterbildung und Kultur jetzt viel mehr leisten in der Zukunft, unter anderem auch Stellenbesetzungen, die früher nicht möglich waren.


Aber erstmal wird ja eine Stelle gestrichen, die der Galerieleitung. 

Nein, die wird nicht gestrichen. Die wird derzeit nicht besetzt, weil wir eine Baumaßnahme beginnen. Wir werden Kisten packen und einmotten, beispielsweise auch die Artothek, also den Verleih von Kunstwerken. Daher sind wir gar nicht in der Lage, zu hundert Prozent Galerie- und Artothek weiterzuführen. Was aber unbedingt wichtig war, war die Besetzung der Stelle des Fachbereichsleiters Kultur und Museum. Diese Stelle hat so viele Jahre gefehlt.


Die wurde aber nur bewilligt als Gegenleistung für die Nichtbesetzung der Galerieleitung. 

Da muss ich leider sagen: Ich darf aus dem Bezirksamtskollegium nichts berichten, sonst kann ich dienstrechtlich belangt werden. Das ist eben das Problem: Nach außen erscheint es so: Die sagt uns nichts.


Warum wird eigentlich überall Personal aufgestockt, im Ordnungsamt, im Bauamt, im Sozialbereich – Geld scheint keine Rolle zu spielen. Aber im Bereich Kultur wird offenbar nicht aufgestockt, obwohl der Bezirk wächst. Das Budget wird nach der Kosten- und Leistungsrechnung zugewiesen, da ist nichts gekürzt worden. Im Bereich Verwaltung konnten wir einige Stellen nach- und neubesetzen, auch in der Musikschule und in den Bibliotheken.


Und es ist fest verabredet, dass nach Fertigstellung der Alten Schule, also 2023, die Galerieleitung neu besetzt wird? Ich strebe das an, wenn ich dann noch Verantwortung trage. Aber auch die Interims-Galerie in Johannisthal bekommt eine Leitung. Dafür wird die Stelle der Artotheksleitung für diesen Zeitraum umgewidmet. Und es wird zusätzlich eine wissenschaftliche Volontärsstelle eingerichtet.


Jedesmal, wenn ich die kommunale Galerie besucht habe, war ich praktisch alleine dort. Wie sind denn die Besucherzahlen, und wie könnte man die Resonanz erhöhen? Sie müssen nach draußen gehen und den Menschen sagen, was sie anzubieten haben. Das wird in Ansätzen ja schon gemacht. Wir bezahlen beispielsweise Honorarkräfte, die mit Schülern Kunstkurse veranstalten. Das kann noch ausgeweitet werden, dafür brauchen wir aber die modernen Räumlichkeiten und eine bessere digitale Ausstattung, die ja zur Verfügung stehen, wenn das Haus saniert ist. Das ist eine riesige Chance auch für die Künstlerinnen und Künstler. Das Schizophrene ist allerdings, dass eine bessere Öffentlichkeitsarbeit, die mehr Besucherinnen und Besucher in die Galerie lockt, nicht in Form von Budgetsteigerungen belohnt wird.


Auf Nachfrage erklärte Stadträtin Flader, in diesem Jahr seien keine Besucherzahlen erfasst worden. Am 2. September will Flader zusammen mit Vertretern der Künstler das Souterrain des Rathauses Johannisthal besichtigen. Das steht seit vielen Jahren leer, zuletzt gab es dort ein mexikanisches Restaurant. Am 10. September soll es ein Gespräch zwischen den Künstlern, Stadträtin Flader und Bzbm Oliver Igel geben.

15 Ansichten

Wir sind die Arbeitsgemeinschaft der Bürger*innen und der Künstler*innen für die Kommunale Galerie Alte Schule Treptow-Köpenick.

 

Wenn Sie Fragen haben, kontaktieren Sie uns gerne über das Formular.

Kontakt

© 2023 by Make A Change.
Proudly created with Wix.com

This site was designed with the
.com
website builder. Create your website today.
Start Now