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Drama am Rand der Peripherie – und ein Appell für einen Workshop

AG Leitung Alte Schule retten! - Pressemitteilung vom 23.09.2020 zum aktuellen Stand


Das Bezirksamtskollegium von Treptow-Köpenick (SPD, Die Linke, CDU, AfD) hat vorgeführt, wie sehenden Auges mit Entscheidungen, Unterschriften und/oder auch Nichtstun eine feste Institution des kulturellen Lebens ohne Not stillgelegt wird.

Hier die Fakten, die (selbst für manche gewählte Vertreter*innen des Bezirks) fünf Monate lang durch die Schleier des Nicht-Aussprechens, Nebelschwaden der Versprechungen seitens der Verantwortlichen und nicht zuletzt der Dunst des eigenen Einfach-nicht-glauben-Könnens dieser Ereignisse im Ungefähren blieben:

- Ihre Amtszeit nutzte die Bezirksstadträtin Frau Cornelia Flader (CDU), um in ihrem Verantwortungsbereich Kultur die Museen für Regionalgeschichte des Bezirks und die bezirkliche Gedenkstätte zu fördern und zu stärken das ist begrüßenswert! Die Leitung der Museen wurde neu besetzt und zudem die Stelle des/der Archivars/in geschaffen. Diesen Aufbau begleitet allerdings zeitgleich ein Abbau im Bereich zeitgenössische Bildende Kunst – die inhaltlichen Schwerpunkte des Fachbereichs wurden hier massiv verschoben.

- Diese Wieder- und zum Teil Neubesetzungen von Stellen und Planstellen im Bereich Kultur (dazu gehört die Besetzung der lange vakanten Planstelle der/des Fachbereichsleiter/in Museum und Kultur) führten in der Konsequenz dazu, dass ausgerechnet zu Beginn der Sanierungsmaßnahmen der Kommunalen Galerie die Planstelle der Galerieleitung der Kommunalen Galerie nicht mehr finanzierbar ist.

- Seine Unterschriften unter obengenannte Arbeitsverträge setzte der Bezirksbürgermeister Oliver Igel (SPD), zuständig für Finanzen und Personal. Dabei anwesend waren die anderen Bezirksstadträte von der Linken der SPD und der AfD.

So einfach ist das.

Und es ist auch nicht so, dass diese Schieflage nicht bemerkt wurde: Die Bezirksstadträtin wurde vom Bezirkskollegium darauf aufmerksam gemacht, dass nun die Kasse leer und das Budget für die Planstellen überschritten würden, also die noch in 2020 durch die Pensionierung der Stelleninhaberin wiederzubesetzende Stelle der Galerieleitung der Kommunalen Galerie Alte Schule Adlershof nicht mehr möglich sei. Alle Akteur/innen nahmen aber in Kauf, dass auf Jahre die zeitgenössische bildende Kunst in Treptow-Köpenick so gut wie von der Bildfläche verschwindet.

- Die Verantwortung für die bezirksbürgermeisterliche Unterschrift wurde in der Folge von Bezirksbürgermeister Igel (SPD) auf den Willen der Bezirksstadträtin Flader (CDU) abgewälzt, denn: er habe die Stelle ja nicht gestrichen!


- Die Bezirksstadträtin kann jetzt nichts mehr daran ändern, denn: sie habe die Stelle ja nicht gestrichen!


- Der Bezirksbürgermeister kann jetzt auch nichts mehr daran ändern, denn: für die Stelle ist ja jetzt kein Geld mehr da!

- Der Kulturausschuss der Bezirksverordneten von Treptow-Köpenick kann auch nichts machen, denn: es wurde alles hinter verschlossenen Türen beschlossen!

Die Stelle der Galerieleitung ist verloren.

Und zwar nicht nur für die viel beschworene Interimszeit des Umbaus der Alten Schule, möge sie nun zwei oder mehr Jahre betragen. Die Stelle ist f u t s c h, weg, nicht mehr besetzbar.

Ja, es soll eine neu geschaffene Ausbildungsstelle für Hochschulabsolventen geben im Bereich Kultur: ein Volontariat, finanziert vom Senat. Volontäre/innen können keine Galerie leiten sie durchlaufen verschiedene Stationen innerhalb des Bereichs Museum und Kultur der Bezirk hat hier eine Betreuungsverpflichtung: ein Volontariat ist keine Stelle für eine Leitungsaufgabe.

Und nein, Kurator*innen, die man für einzelne Ausstellungsprojekte einlädt, können ohne eine Galerieleitung nur über ihr eigenes mitgebrachtes Netzwerk verfügen und schwerlich an Themen anknüpfen, die hier für Bürger*innen und Künstler*innen relevant sind. Kurator/innen ersetzen ebenso wenig eine Galerieleitung.

Übrig geblieben im Kulturstellenhaushalt ist nur noch ein Bruchteil: ein Anteil des Gehaltes der Stelle der Galerieleitung (30%? 40%? Keiner sagt etwas dazu) und die kleine Stelle des Leiter der Artothek. Letztere minimale Stellendotierung hatte in der Vergangenheit nicht dafür gereicht, überhaupt davon zu erzählen, was in dieser Artothek schlummert und wozu sie eigentlich da ist. Der damit betraute Mitarbeiter wird 2021 in Rente gehen, die Artothek soll, wie es heißt vorübergehend eingemottet werden.

Eine seitens der Bezirksstadträtin angekündigte Flickschusterei aus diesen Restgeldern reicht nicht für die Bezahlung einer adäquaten und professionellen Leitung aus! Cornelia Flader (CDU) betont, dass sie anstrebe, die Galeriestelle nach dem Umbau neu zu besetzen. Dieses Lippenbekenntnis ist leicht ausgesprochen, da im nächsten Jahr Kommunalwahlen anstehen und es in den Sternen, bzw. auf den Wahlzetteln stehen wird, wer den Posten im Bezirksamt ab 2021 halten bzw. besetzen wird.

Wenn die Kommunale Galerie im Jahr 2023 nach Umbau und Modernisierung in die Alte Schule Adlershof Dörpfeldstraße zurückkehrt, dann wird:

- niemand da sein, der ein Programm geplant haben wird,

- niemand da sein, der Ansprechpartner/in für Künstler*innen u.a. des Bezirks ist,

- niemand da sein, der Ideen, Vorhaben oder Fragen koordinieren kann.

Auch für Kunstvermittlung und kunstpädagogische Angebote für ist dann niemand da.  

Niemand für die Musiker*innen, die mit Künstler*innen kooperieren wollen, für Autor*innen, die ihre Werke mit denen der bildenden Künstler*innen in Beziehung setzen wollen.

Es wird einfach keine Galerieleitung da sein, die diese Arbeitet leistet.

So wie die Lage jetzt ist, werden ohne Leitung der Kommunalen Galerie auch vorhandene Fördermittel (des Landes, des Bundes, der EU) nicht beantragt werden können, werden die Partnerstädte von Treptow-Köpenick vergeblich nach einer/n Ansprechpartner/in für den geplanten Kulturaustausch fragen, gibt es im vorgesehenen Interimsstandort im Souterrain des Rathauses Johannisthal nur einen klitzekleinen Ausstellungsraum (115 qm Ausstellungsfläche) am Rand der Peripherie und darüberhinaus keine Experimente.

Es sei denn, die Bezirksverordnetenversammlung aller Parteien beschließen mit der kommenden Haushaltsverhandlung eine Aufstockung des Budgets der Bezirksstadträtin für Weiterbildung, Schule, Kultur und Sport, die diese dann für die Wiederbesetzung der Planstelle umgehend nutzt. Schließlich haben sich alle Parteien zur Bedeutung Kommunaler Galerien in ihren Wahlprogrammen bekannt!

Die AG Leitung Alte Schule Retten hat wirklich lange gerungen, um den politischen Willen und den Grund für die herbeigeführte Situation zu durchschauen und nachzuvollziehen. Wir haben uns fast daran gewöhnt, dass uns im Zweifelsfall noch von JEDER Partei mindestens einmal der Satz „aber, Sie wissen ja: Kultur ist keine Pflichtaufgabe, Kultur ist freiwillig!“ entgegen geraunt, gerufen oder geseufzt wurde.

Wir sitzen da mit unserer Fassungslosigkeit. Wir wissen, dass Kunst mehr ist als ein schwarzes Loch, in das Geld hineingeschaufelt wird. Allerorten wird von der belebenden Energie, der Innovationskraft der Kunst geschrieben. Davon, wie sie verbindet, wie sie Fragen stellt, Räume erschließt sowohl in den Köpfen, wie auch auf Stadtplänen. 


Unser Angebot für einen Workshop!

Angesichts des von etlichen Verordneten kommunizierten Willens, eine Lösung für die zeitgenössische Kunst in Treptow-Köpenick zu finden, wollen wir die gemeinsame Durchführung eines Workshops vorschlagen.

Einen fachkundig vorbereiteten und moderierten Workshop, an dem im besten Falle die Bezirksstadträtin, der Bezirksbürgermeister, der Fachbereichsleiter Museum und Kultur, die Museumsleitung, ein/e Vertreter/in jeder Partei, und der Vereinigung der Kommunalen Galerien Berlins, Vertreter/innen von Kulturakteur/innen und auch des Landes Berlin sowie Mitgliedern der AG teilnehmen sollen. Jeder und jede von ihnen mit seiner und ihrer Energie und Kreativität, Expertise und Perspektive. Ein Workshop, in dem konkrete Lösungen gefunden werden für die Leerstelle, die hier entstanden ist. Lösungen, die mehr sein müssen als eine Interimslösung und die Verwaltung eines Mangels.

Wir bitten den Bezirksbürgermeister, die Bezirksstadträtin und die Bezirksverordneten, auf unser Angebot einzugehen.

Wir sehen hier die Notwendig und eine reelle Chance, die vorhandenen Potentiale zu bündeln. Es geht um Möglichkeiten für die Zukunft von Treptow-Köpenick als lebendigen Kultur-Bezirk!.

Nur unser aller Bewusstsein für den Sinn einer gemeinschaftlich getragenen Kommunalen Galerie, die ihren Aufgaben gerecht werden kann, ist in der Lage diese zu retten.

Herzliche Grüße

AG Leitung Alte Schule Retten!

Stefka Ammon

Dorit Bearach

Liz Crossley

Sebastian Körbs

Gudrun Kühne

19 Ansichten

Wir sind die Arbeitsgemeinschaft der Bürger*innen und der Künstler*innen für die Kommunale Galerie Alte Schule Treptow-Köpenick.

 

Wenn Sie Fragen haben, kontaktieren Sie uns gerne über das Formular.

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